Klasse 9 nahm am politisch/ethischen Wettbewerb teil

Die Ethikschüler der beiden neunten Klassen nahmen unter der Anleitung von Frau Göbel am politisch/ethischen Wettbewerb des Landtags von Baden-Württemberg teil. Dabei entstanden viele interessante und beeindruckende Arbeiten, wie z.B. ein Comic zur aktuellen Corona-Pandemie oder die folgende Kurzgeschichte:

 

Vom Menschenfreund zum Menschenfeind

Die Geschichte von der Kuh Fatima und ihrem Kalb Lisa

Hallo. Ich bin die Kuh Fatima. Ja, du hast richtig gelesen – ich bin eine Kuh. Ich bin Fatima, die sehr enttäuscht wurde, traurig und sauer ist. Ich fühle mich verletzt, alleine gelassen, hilflos und misshandelt! Aber mal von vorne. Ich erinnere mich an die Zeit als ich noch ein Baby war. Ich hatte ein sehr schönes Leben mit meiner Mama und unseren Menschenfreunden. Wir haben an einem sehr schönen Ort gelebt und wir hatten einen wunderschönen Stall worin wir essen, spielen und schlafen konnten. Morgens gingen wir raus auf die Wiese und zwischendurch haben wir Essen von unseren Menschenfreunden bekommen. Das war sehr nett. Ich habe meistens mehr Essen bekommen und deshalb war ich immer glücklich, wenn die Menschenfreunde zu Besuch kamen. Ich hatte gedacht, dass sie mich vielleicht besonders gerne mögen und ich hatte ihnen vertraut. Auch an dem Tag als ich schon etwas älter war und die Menschenfreunde zu mir und meiner Mama kamen habe ich mich sehr gefreut. Wir dachten, dass wir wieder etwas zu essen bekommen würden, aber NEIN, nicht an diesem Tag. Es war der zweitschlimmste Tag meines Lebens, denn meine Mama wurde vor meinen Augen gefesselt, gequält und geschlachtet! Und das nicht von irgendwem, sondern von unseren Menschenfreunden! Dabei waren sie doch mittlerweile für uns nicht nur Freunde, sondern ein Teil der Familie – dachten wir.

Aber anscheinend waren sie nicht einmal unsere Freunde, denn Freunde machen sowas doch nicht. Freunde nehmen dem Kind die Mutter nicht weg und Freude töten die Mutter nicht vor den Augen des Kindes! Ich konnte nicht glauben was ich gesehen hatte. Es war so schrecklich. Und diese Bilder gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich hatte laut gebrüllt und bin umhergesprungen. Ich wollte Mama befreien! Dann spürte ich selber Fesseln an den Beinen, ich fiel um, ein dumpfes Geräusch, und ich kann mich nicht mehr erinnern. Ich hatte das alles niemals erwartet. Nicht von unseren Menschenfreunden. Ich habe es nie vergessen! Manchmal hatte ich auch komische Gedanken und wollte ihr Baby vor ihren Augen ärgern, umrennen und umschubsen. Wie wäre das? Von nun an habe ich mich vor den Menschen versteckt und ich habe mich oft erschrocken, wenn sie mir zu nahegekommen sind. Wie konnten sie mir so etwas antun? Nach einer längeren Zeit wurde ich schwanger und trug selbst ein Baby in mir. Ich hatte andere Gedanken und war endlich wieder etwas glücklich. Für mich hat sich alles verändert, aber natürlich nicht in Bezug auf die Menschen. Aber anscheinend hat sich für sie schon etwas geändert, denn mein Kind und ich bekamen wieder mehr zu essen. Sie waren oft da, um mit meinem Baby Lisa zu spielen und Lisa hat sich jedes Mal sehr gefreut, wenn die Menschen zu ihr gekommen sind. Sie sagte immer, dass sie so gerne Zeit mit unseren Menschenfreunden verbringt. Das hat mir innerlich das Herz gebrochen, weil ich ahnte, dass mein Lisa-Baby auch mal das erfahren wird was ich erfahren musste. Wir bekamen mehr und mehr Futter und die Menschen kamen immer öfter vorbei. Ich wusste, dass Lisa auch einmal so enttäuscht von den Menschen sein wird, wie ich es jetzt bin.

Und der Tag kam. Plötzlich war es so weit. Als mein Baby erst 2 Monate alt war kamen die Menschenfeinde zu uns und schubsten, schoben und zerrten mich von meinem Kind weg. Ich wollte Lisa nicht alleine lassen. Ich dachte wir hätten noch etwas mehr Zeit! Noch etwas mehr Zeit, um mein Kalb darauf vorzubereiten. Ich wollte es nicht! Ich wollte meine Lisa nicht verlassen. Ich wollte nicht, dass das Leben meines Kindes auch so zerstört wird wie meins zerstört wurde. Aber genau das ist passiert. Die Menschenfeinde schubsten mich raus. Fesselten mich. Ich brüllte. Ich sah Blut und ich wurde ohnmächtig. Sie schlachteten und misshandelten mich auf schlimmste Art und das vor den Augen meines eigenen Kindes! Die Schmerzen, die mir körperlich zugefügt wurden, waren jedoch nicht so schlimm wie die Herzschmerzen, die ich für mein Kind gefühlt habe. Ich bin jetzt weg von Lisa und ich vermisse sie so sehr. Panische Gedanke gingen mir am Ende durch den Kopf. Ich weiß, dass ich mein Baby nie wiedersehen werde. Und ich weiß, dass ihr dasselbe passieren wird was mir passiert ist. Und das bricht mir das Herz! Wie schrecklich! Die Menschenfeinde haben mich eiskalt umgebracht! Ich habe eine Frage:

Wer hat den Menschen erlaubt uns Tiere zu töten?

 

Autoren: Hamo Ghanem und Mahmoud Barhawi

Klasse 9A der Astrid-Lindgren-Werkrealschule in Offenburg